Zufalls-Schreibe

Er saß an einem Tisch und wühlte in den Unterlagen. Dann stand er auf und beugte sich über seinen Gefangenen. „Du hast doch nicht etwa meine Zigaretten geklaut, Punk.“ Er schlug seinem Gefangenen mit der hohlen Hand ins Gesicht. Das Gesicht blieb ungerührt. Ein Handy klingelte. Er wartete, bis es ihn störte und öffnete das Display. Er lächelte und drehte den Bildschirm zu seinem Gast. „Das hier ist mein Partner. Wir haben dein Opfer gefunden.“ Er nahm das Gespräch an.

Glas klirrte, als die Türe aufgerissen wurde. „Er ist noch da draußen und er hat Ray.“ Brüllend rannte er durch das Department, scheuchte Kollegen und anderes Gesocks aus dem Weg. Seine Sekretärin rief ihm etwas zu. Er hörte nichts. Das Telefon am Ohr lief er die Treppe hinunter und suchte seinen Wagen. „Was soll ich tun?“ fragte er lautstark, während er in den hoffnungslos veralteten Ford Escort stieg. Die Stimme erklärte es immer und immer wieder. Er hörte nicht wirklich zu, war beschäftigt, das Auto zu starten. Er fluchte und sprang ins Freie.

Glassplitter flogen. Er drehte sich um und sah, wie die ehrwürdige Polizeistation in Rauch aufging. Er hörte Schreie. Aus der Ferne näherten sich Sirenen. Er lief in die entgegengesetzte Richtung. Sekunden später platzte sein Trommelfell, als Motorhaube seines Wagens kurz nach ihm kreischend die Kreuzung passierte. Er schrie in das Telefon, zählte Blöcke, die noch zu laufen waren. Noch 8 Blöcke, noch 7, jetzt noch 6. Ein grüngekleideter Hippie wachte Augenblicke, bevor  ihn eine blaugekleidete Gestalt zu Boden beförderte, aus seiner THC-induzierten Lethargie auf. Er dachte „Episch“. Dann landete seine abgebissene Zunge im Staub und betrachtete ihn erstaunt. „if bin ftumm“ stammelte er. Blut schwebte, Frühlingsregen gleich, zu Boden.

„Gute Nacht“, sagte der Spieler und drückte auf „Armageddon“. „Nein“ schrie der Fremde am Telefon, „ich bin doch gleich da.“ „Zu spät. Willkommen in meinem Paradies.“ lächelte die Gestalt ohne Gesicht und fühlte den freien Fall, als die Hölle ihren neuen Herren begrüßte.

(c) 04.01.2010 Emanuel Mayer

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Über lykasscriptorium

getriebener Autor, der Rohtexte veröffentlicht, zumindest in diesem Blog. Bedenke dies, wenn du meine Sachen liest: Sie sind frisch aus dem Kopf auf virtuellem Papier gelandet, ohne großartige Nachbearbeitung. Achja, eine kleine Erweiterung an eben jenem Abend des 01.05.2011 This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA. und nun... weitertanzen

Veröffentlicht am 04/01/2011, in Frisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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