Grim Reapers größter Fan

Wie jeder gute Film unterliegen manche Dinge einer Kontrollinstanz, hier also meiner: ich hoffe, du bist älter als 16. Daher und zum Schutze meiner Interessen: Es ist nur Satire und Satire darf alles. Yeah. Und für den leichten Schlaf hinterher einfach eine Folge von Frasier anschauen. Danke

Eine Gestalt hetzte durch den Regen, schlitterte über die noch halb gefrorenen Pflastersteine und blieb laut keuchend am Brückengeländer stehen. Sie hob ihren Kopf, ein schönes, aber verängstigtes Gesicht, blickte aufgeregt in eine unbekannte Ferne, lauschte der Nacht. War da eine Bewegung im Gebüsch? Sie schaut genauer hin. Das Gesicht ihres Freundes tauchte auf. Ihr fiel ein Stein vom Herzen. Überwältigt von Glück lief sie sie auf sein strahlendes Lächeln zu, bliebt dann jedoch verdutzt stehen. An seinen Lippen bewegte sich etwas, sie öffneten sich und mit einem Röcheln, das nicht aus dieser Welt zu kommen schien, spuckte er Blut. Der Kopf zuckte im hellen Laternenlicht. Sie kreischte, als der Schädel an ihre Brust prallte und danach langsam zu Boden rollte. Sie kreischte noch immer, als der restliche Körper aus der Dunkelheit trat und zusammenbrach, zuckend wie ein Fisch auf Land. Blutig blitzte eine geschwungene Klinge auf und zerteilte den Vorhang. „Grim Reaper IV – das letzte Gefecht“ erschien in rotglühenden Buchstaben.

Die Menge, größtenteils bestehend aus männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 16, denn einige hatten sich herein geschmuggelt, und 35 Jahren, tobte. Eine Gestalt am hinteren Rand des Kinos grinste und wandte sich an seinen Partner, der soeben eine Zigarette anzündete. „Na, war das geil?“ Er hörte die Menge toben, schaute hin, wie Personen aufstanden und ihre Arme hoben. „Achtung“, sagte er, „gleich geht’s los“. „Blut und Fleisch für den Reaper, Blut und Fleisch für den Reaper“. Jedes der Worte liess den Saal erbeben. „Ich sagte doch, es wird ein Erfolg.“ sagte er und zeigte auf die Menge. „Die Kids liiieben das Zeug.“ „Mag sein“, antwortete der Angesprochene und festigte mit seinem Atem die Wand von Zigarettenrauch. Er schüttelte den Kopf. „Die Jugend von heute will immer mehr Gewalt.“ Der erste Mann lächelte. „Es sind nur Effekte und billige Drehbücher. Und ein guter Name. Damit kann heute jeder Gewinn machen.“ „Schau sie dir an. Reine Statistik: Heranwachsende, junge Erwachsene, männlichen Geschlechts, lieben den Kontext von Gewalt und halbnackten Frauen. Einige haben die Vorgänger über 20 Mal gesehen. Egal, wie schlecht Teil 3 war, Teil 4 wird einschlagen wie eine Atombombe.“

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Sie fand den Jungen auf einem Stapel Reifen sitzend, die Hände gefaltet, als würde er sie nicht mehr brauchen und gebeugt, als hätte jemand sein Rückgrat herausgerissen, damit gewürfelt und die Brocken in den zuckenden Sack Fleisch zurück gestopft. Man hätte ihn als ungefährlich ansehen können, wenn seine Hände, Gesicht, Leib nicht mit Blut, fremdem Blut bedeckt gewesen wären. Ein Nachbar hatte Schreie gehört, Kreischen in der Nacht. Er hatte es in seinem Schlafzimmer nicht mehr ausgehalten und war in die Küche gegangen, um ein Glas Wasser zu trinken. Als die Schreie aufhörten, hatte er sich entschlossen, die Polizei anzurufen. Er war nicht soweit gekommen. Man fand die Frau zusammengekauert auf der Terrasse, blutige Handabdrücke an den Fensterscheiben und eine offene Bauchwunde, die einen qualvollen und langsamen Tod bedeutet hatte. Das Telefon hing noch quäkend an seiner Schnur, die Nummer 911 in Panik gewählt. Der Nachbar in der vom Fenster entgegengesetzten Ecke, zusammengesunken, nicht ansprechbar. Von der Leiche zum wirklichen Tatort waren es nur 20 Meter, jedes einzelne davon gesprenkelt vom ihrem Blut. Das Haus erinnerte von außen an das Vorstadtklischee mit einem handgemähten Rasen davor, der Zaun frischgestrichen. Doch wer den Weg durch den idyllischen Vorgarten genommen hatte, betrat eine Hölle aus Blut und jüngst vergangenem Schmerz. Der Blick führte direkt die Treppe hoch, links das Wohnzimmer, rechts die Küche, geteilt durch einen hellen, einladenden Flur. Fußspuren auf dem Boden, Handabdrücke an der Wand, geronnenes Blut an den Familienfotos, ein lächelnde Gesichter hinter Glas, ein verstohlener Blick aus dem Hintergrund. Der Junge, steht mit einem Ausdruck unbändiger Langeweile und unterdrücktem Zorn. Angst lag in der Luft. Es war der erste Eindruck, der die Pathologin und ihren Assistenten hatte. Sie stand gebeugt über dem Durcheinander aus Gewalt, betrachtete eingehend die verzerrten Gesichter, die Agonie in den Augen der beiden Opfer. Es wäre kein schöner Tod gewesen, meinte sie und zeigte auf die Wunden. Auf den ersten Blick waren mehr Risse als Schnitte zu erkennen. Sie schüttelte den Kopf. In Gedanken versunken überhörte sie den Ruf eines Kollegen. Das Zimmer des Jugendlichen war gefunden worden. Der Polizist starrte auf die Ansammlung von Gegenständen, die sich nach und nach aus der Dämmerung schälten. Er fühlte sich unwohl in seiner Haut, erinnerte sich plötzlich an die Geschichten seiner Freunde, wenn er in den Keller gehen musste, an bleiche Gesichter, die da unten lauerten und an das Knacken der Skelette in den Wänden. Er schüttelte die Furcht ab und schaltete das Licht ein. Er hob die Augenbraue und presste die Hand vor den Mund um nicht zu schreien. Dutzende Gesichter starrten ihn an, er wurde von rotglühenden Augen förmlich aufgefressen. Eine fremde Hand packte ihn, riss ihn aus seinen Gedanken. Er wirbelte herum. „Wow, ein ‚Grim Reaper‘ Fan.“ meinte sein Kollege. Er ging durch das Zimmer und nahm eines der eingeschweißten Objekte vorsichtig in Augenschein. „Grim Reaper 2 – Der Block des Wahnsinns“ sagte er staunend. „Aktueller Marktpreis um die 250 Piepen. Gibts nicht mehr oft.“ Er ließ seinen Blick schweifen. „Im Großen und Ganzen“, sagte er stirnrunzelnd, „ein beunruhigendes Zimmer, findest du nicht auch?“

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Der Patient zeigte eine ausgeprägte Psychose. Tatsächlich lag es mehr in den Augen des Pflegers als in seinem Verhalten. Ein hochgewachsener, hagerer Jugendlicher mit Resten von Blut an seinen Händen stand vor ihm, wirkte versunken in seiner eigenen Welt. Sein Shirt hatte die Farbe von dunklem Grau, die Nähte stachen sonderbar hervor, als wäre das Kleidungsstück einst schwarz gewesen und dutzende Male falsch gewaschen worden. Rosa Punkte mit dem Aussehen früherer Blutflecken unterstrichen den Schriftzug unterhalb einer Kreatur, die der Mann schon oft, zu oft, gesehen hatte. „Er weiß, wo du bist und er holt dich. Grim Reaper“ auf verwaschenem Stein unterhalb des klassischen Bilds des Gevatter Tods. Die Polizisten hatten ihn vor einer Viertelstunde abgegeben, der Doc ihn oberflächlich untersucht und, sobald er die offizielle Information bekommen hatte, sofort den Transport in die „Geschlossene“ befohlen. Nach und nach kombinierte der Pfleger, was vorgefallen war; er betrachtete den Neuankömmling fasziniert und angeekelt. Nachdem er den jungen Mann – denn er war 19 Jahre alt, auch wenn er nicht so aussah – in sein Zimmer gebracht und ihm alles recht wortkarg erklärt hatte, atmete er auf und beschloss im selben Moment, es wäre Zeit für einen DVD-Abend. „Hey“, tippte er in sein Handy, „‚Grim Reaper‘-Abend heute nach Dienstschluss. Bringt Bier mit. Gruß“

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Müde schlug der Professor die Patientenakte zu. Er nahm seine Brille ab und begann sie sorgfältig zu putzen. Er kannte die Daten bereits auswendig. „geboren 1992. Realschulabschluss. Ausbildung als Informationstechniker. Galt als verschlossen. Einzelgänger, wenige Freunde. Zog sich im Laufe seiner Pubertät immer weiter zurück. Mehrfach lauter Streit von Nachbarn gemeldet. Meistens in ungewöhnlichen Film-Foren und Horror-Börsen unterwegs. Heavy-Metal-Hörer. Galt bisher als ungefährlich, wenngleich beschrieben ihn die Bekannten als einschüchternd, bedrohliche Anklänge. Nannte sich in der Schule teilweise „Max Blank“ wie der Protagonist der beliebten „Grim Reaper“-Reihe.“ Der Professor überlegte und klingelte dann nach einem Pfleger. „Holen Sie den Patienten zu mir.“ sagte er angestrengt. Der junge Mann lag wie so oft auf seinem Bett und betrachtete apathisch die Decke. Einige Leute meinten, er habe gar keinen Ausdruck, doch sie täuschten sich. Er kaute heftig, knirschte mit den Zähnen, rollte die Augen, dies aber nur, wenn allein zu sein schien. Betrübt betrachtete ihn der Pfleger auf dem Monitor. Er fürchtete sich vor der hingestreckten Gestalt und jedes mal, wenn er ihn zu einer Sitzung bringen sollte, erwartete er einen Ausbruch von Gewalt. Doch es kam nie soweit. Denn sobald sich die Türe zur Verwahrung öffnete, saß der Patient stoisch auf der Bettkante und wartete. „Deine Eltern waren sehr streng zu dir.“ meinte der Professor. Der Junge antwortete nicht. „Sie haben dir sehr viele Dinge verboten. Du warst allein, immer allein und sie haben dich verachtet.“ Erneut keine Reaktion. Der Professor wusste, dass diese Sitzung,wie so viele vorher, im Sand verlaufen würde. „Du schaust gern diese Filme an.“ sagte er. Wieder einer der Versuche mit den Filmen. „Wie heißen sie? Irgendwas mit Grim. Gebrüder Grimms Märchen?“

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Er lag wieder in seinem Zimmer. Unablässig bewegte er die Lippen, seine Augen zuckten. Er flüsterte. Der Pfleger legte sein Ohr an die Tür und lauschte. Er hörte nichts. Klackernd fuhr der Schlüssel in das Schloss. Er drehte sich um und starrte aufmerksam in den Gang. Es war kurz nach Mitternacht und der Pfleger hasste diese Stunde. Erinnerungen von ruckelnden Geistermädchen schossen ihm durch den Kopf. Er fluchte über den Schichttausch mit seinem Kollegen. Stille. Doch es war die einzige Zeit, sich den Jungen anzusehen. Langsam erstarben die Meldungen in den Boulevard-Magazinen. Sie nannten ihn den „Reaper“ nach den „Grim Reaper“-Merchandising-Artikeln in seinem Zimmer, nach der Sense, die man hinter dem Haus gefunden hatte, gesprenkelt von Blut und seinen Fingerabdrücken und besonders nach seinem bleichen, blutverschmierten Gesicht, das ein Nachbar heimlich geschossen und sich damit dumm und dämlich verdient hatte. Der Junge flüsterte im Schlaf. Dem Pfleger war Angst und Bange, als er in das Zimmer trat. Von den Wänden starrten rotglühende Augen aus tiefschwarzen Öffnungen auf ihn hinunter. Der Patient hatte über die lange Zeit hinweg sein Allerheiligstes mit den Gesichtern der Opfer und mit eben jener grotesken Maske verziert, die „Max Blank“, Hauptdarsteller der „Grim Reaper“-Reihe bei jedem seiner inszenierten Anfälle aufgesetzt hatte und dann auf Teenager-Jagd gegangen war. Die breite Bevölkerung hatte gerade erst durch den Doppelmord von den Filmen erfahren und war außer sich. Der Hauptdarsteller musste oft genug Rede und Antwort stehen, dass man davon ausging, dass „Grim Reaper V“ der absolut erfolgreichste Teil der Reihe werden würde. Der Pfleger schüttelte die Gedanken ab. Der breite Lichtstrahl drang durch die offene Tür und jede seiner Bewegungen wurden von seinem Schatten über dem Schlafenden wiedergegeben. Er stellte sich vor das Bett, beugte sich hinunter und lauschte. Angewidert wandte er sich ab und wollte sich bereits abwenden, als das Licht hinter ihm erlosch. Er wirbelte herum und bemerkte erst jetzt die Gestalt, die aus einer Ecke in den Rahmen der Tür getreten war. Das Bett hinter ihm knackte und er traute sich nicht, hinzuschauen. „Blut und Fleisch für den Reaper.“ waren die letzten Worte, die er hörte, bevor ihm ein angespritztes Stück Stift in das Ohr schoss und dann in seinen Kehlkopf schoss und seine Sinne ausradierten. Er sah, wie sich die Gestalt im Türrahmen bewegte. Dann war alles vorbei.

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Der Mann schwang seinen langen schwarzen Mantel und deutete dem Jungen an, dass er ihm folgen sollte. Er hatte sich abgewandt, damit der Pfleger ihn nicht erkennen konnte. Als er jedoch die Bewegung und die erstickten Laute hörte, hatte er doch hingeschaut. Augenscheinlich hatte der Junge den Pfleger überwältigt. Er beobachtete fasziniert die Eleganz des Mordes, die Ästhetik der Gewalt. Es erinnerte ihn an seinem Vater, dem er vor Jahren ewige Treue geschworen hatte, dem er nun endlich seinen Sohn wiedergeben konnte. Er ging zu dem Jungen, der keuchend über dem sterbenden Körper hing. Er packte die Handgelenke und schnitt mit einem Tapetenmesser die Handfesseln durch. „Mein Junge. Es ist Zeit, ich bringe dich zu deinen wahren Eltern.“ Der Jugendliche starrte auf den am Boden liegenden Pfleger. Dann blickte er auf und nickte. „Zu meinen Eltern.“

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Die Fahrt war lang und der Junge war schweigsam wie ein Grab. Sein Gegenüber wischte sich den Schneematsch vom Mantel. Er war hingefallen, als beide aus dem Fenster gesprungen waren und der Junge hatte ihm aufgeholfen.“Ich bin der beste Freund deines Vaters und deiner Mutter, deiner wahren Eltern. Es tut mir leid, dass du von ihnen nichts wusstest, aber es war gefährlich, dich in Kenntnis zu setzen. Tatsächlich“, er lachte, „hast du die Art Art deines Vaters, dafür ähnelst du deiner Mutter vom Gesicht her.“ Sein Beifahrer schwieg. „Ich habe dich beobachtet, mein Junge. Sie haben dich aus dem Haus gebracht wie einen Schwerverbrecher. Das war falsch.“ Er erinnerte sich, wie er mit den beiden Opfern gesprochen hatte. sie hatten mehr Geld verlangt, wollten alles auffliegen lassen. „Ich konnte es nicht zulassen.“ sagte er und presste seine Hände in das Lenkrad. „Ich sag dir mal was über deine Eltern. Es hat ihnen das Herz gebrochen, als sie dich nicht mitnehmen konnten. Sie sind damals, als du 2 Jahre alt warst, in eine Schießerei geraten und haben zu viel gesehen oder besser gesagt, die falschen Leute mit dem Gewehr erwischt. Einige sehr angesehene Leute waren und sind noch hinter ihnen her. sie mussten sich verstecken. Sie konnten dich nicht mitnehmen, deshalb haben sie dich einem Ehepaar ohne Kind gegeben. Und sie haben, nein, wir haben gut gezahlt, damit sie dich gut behandeln und dir nichts sagen. Es tut mir, uns, leid.“ Sein Gegenüber nickte. In seiner Hosentasche klickte es, als er die Klinge des Tapetenmessers ein Stück nach draußen schob. Er erwartet nicht, dass der Fahrer es vermissen würde. Es hatte nach dem Sprung aus dem Fenster einfach auf dem Boden gelegen. Nun war es sein Werkzeug. „Dann war es nicht der Reaper, der sie…“ er stockte. Der Mann im schwarzen Mantel wandte sich ihm zu. „Nein. Den Typen gibts doch nicht. Sie haben mich in dein Zimmer geführt. Ziemlich abgedrehtes Zeug da, das muss ich schon sagen, macht sogar mir Angst, dieses Reaper-Zeugs. Sie haben mich angeschrien, was ich ihnen da aufgehalst hätte und dass das, was du so machst, zu krank ist für die paar Piepen, die sie von uns bekommen. Dein echter Vater wollte mehr Geld geben. Deine wahre Mutter allerdings hatte mir den Auftrag gegeben, dafür zu sorgen, dass du von den Leuten befreit wirst. Ich hab den Mann also mit der Sense aus diesen Filmen filetiert. Mann, war das schwierig, die aus der Verpackung zu kriegen. Ganz ehrlich, wer steckt denn eine Nachbildung einer echten Sense in eine Plastikhülle, das ist doch krank.“. Er lachte. „Die Frau kam ein paar Meter weiter, ich hab sie nicht mehr gekriegt. Dann bist du gekommen. Sorry wegen des Durcheinanders.“ Der Junge nickte. Der Mann begann, sich zu entspannen. Alles war in Ordnung. Er deutete auf ein Licht am Ende der Straße. „Noch ein paar Meter, dann sind wir bei deinen Eltern.“

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Die Wagentür schloss sich und der Junge stampfte durch den Schnee auf das Haus zu. Er betrachtete die Lichter in den Fenstern, sogar ein leuchtender Weihnachtsmann war auf dem Dach zu sehen. Laute Weihnachtsmusik spielte und versetzte die ganze Umgebung in eine heimelige Stimmung. Vor der Türe standen zwei Personen, ein muskulöser, kleiner Mann und eine hagere Frau. Ihre Augen waren kalt wie Eis und brannten sich förmlich in sein Gesicht. „Willkommen daheim, Sohn.“ sagte der Mann. Die Frau nickte. Ein Tropfen Blut rollte langsam aus dem Ärmel des Jungen über die Handfläche und schwebte zu Boden. Die Stille der Winternacht wurde von einem plötzlichen ewig währenden Hupen unterbrochen. Die Beiden starrten in die Dunkelheit. „Wo ist eigentlich…“ fragte die Frau. Der Junge wandte sich um, die Augen im Zorn bewölkt. „Er hat die Sense aus der Originalverpackung genommen. Das war falsch. Dafür hat er bezahlt.“ Sie schauten ihn an und lächelten unschlüssig. Dann ergriff seine Mutter das Wort „Nun denn, unser Sohn nach all den Jahren, bei uns. Endlich bei uns. Hier ist deine Familie, hier bist du daheim. Herzlich willkommen.“ Sie entspannten sich sichtlich, als wäre eine Grenze aus Angst und Abscheu durchbrochen worden. Auch sein Vater begegnete endlich seinem fragenden Blick und kam auf ihn zu. Sekundenlang lagen sich alle drei in den Armen. Er roch den Hauch von Whiskey im Atem des fremden Mannes und das Shampoo in den Haaren der Frau. Er schüttelte den Kopf. Er zuckte mit dem Handgelenk und das bereits blutbesprenkelte Tapetenmesser rutschte in seine Hand. „Ich muss noch ein Versprechen einlösen, das ich einem guten Freund gemacht habe, als man mich festgenommen hat. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür.“ Sie schauten ihn an und nickten. Er grinste freudlos. „Nun denn.“ Er packte das Messer fest am Griff. Klickend fuhr die Klinge nach draußen. „Wie wir in meiner Welt zu sagen pflegen: Blut und Fleisch für den Reaper.“

(c) Emanuel Mayer 29.01.2011

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getriebener Autor, der Rohtexte veröffentlicht, zumindest in diesem Blog. Bedenke dies, wenn du meine Sachen liest: Sie sind frisch aus dem Kopf auf virtuellem Papier gelandet, ohne großartige Nachbearbeitung. Achja, eine kleine Erweiterung an eben jenem Abend des 01.05.2011 This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA. und nun... weitertanzen

Veröffentlicht am 29/01/2011, in Frisches. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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