Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 10

Kapitel 10 – Durch die Nacht

„Siehst du, wie er da reitet?“ fragt Matt und deutet hinaus in die Nacht. Sheriff Wintersorrow starrt in die Dunkelheit. „Du bildest dir was ein, Junge.“ Matt schüttelt den Kopf, grinst. „Metaphysisch gesehen hast du recht, alter Mann. ‚Er‘ bedeutet eine Person mit männlichen Attributen. Ich würde je ‚ES‘ dazu sagen, aber wir sind nicht in einem Stephen King Roman, auch wenn das Ding dazu passen würde.“ Er lehnt sich zurück und tupft sich mit einem Stück Zellstoff den Schweiss von der Stirn. „Es ist sehr warm bei euch hier draußen. Daheim, im Big Apple, ist es angenehmer. Wir könnt ihr hier draußen nur überleben?“

Der Alte richtet seinen Blick auf den Hipster. „Wir tragen keine bescheuerten Klamotten hier draußen. Wir leben mit der Natur, nicht gegen die Natur und was da draußen unterwegs ist, ist eindeutig gegen jede Natur.“

Matt kichert. Er beugt sich vom Hintersitz nach vorn, tippt dem Fahrer auf die Schulter. „Mach mal Musik an.“ Atmosphärisches Rauschen dringt durch das nur von den Bordinstrumenten beleuchtete Innere des Wagens. „Ah, Dark Ambient. Post-Ambient. Kennen Sie „Metal Machine Music“ von Mr. Lou Reed. Noise Rock. Anti-Mainstream-Pop-Musik.“

„Mister?“ fragt die Kleine, die zwischen ihm und dem Alten eingequetscht ist, sich sichtbar unwohl fühlt, „warum reden Sie soviel? Mein Papa sagt immer, wer viel redet, hat viel Angst.“

„Angst? Wovor denn? Vor dem Ding da draußen? Wir haben Kontrolle darüber. Vor dem Technoninja? Ein schwacher Jugendlicher, der auf japanische Ninja-Sachen steht und der mit seiner Zirbeldrüse lustige Dinge anstellen kann.“

Er verdreht die Augen. „Übrigens, die Leute in ihrem Dorf sehen noch immer aus wie Zombies. Hoffen Sie mal, dass die Wüstenhunde oder was auch immer hier rumrennt, sie nicht anknabbert.“ Matt lacht auf und versinkt in kurzzeitige Kontemplation. „Keine Sorge, wir finden die Leute und lassen sie frei, vielleicht jedenfalls. Eigentlich haben sie es nicht verdient. Sie sind schwach. Sie sind nur ein Schwarmwesen, ein Mob, ohne Vernunft. Deshalb hat man sie gefangen nehmen können.“

„Woher wissen Sie das alles?“ fragt Sheriff Wintersorrow. „Ich habe einen geheimen Kontakt im Lager. Irgendein Wächter, der keine Lust mehr hat, sich den täglichen Predigten von ‚Papa‘, äh, ‚Vater‘ auszusetzen.“

„Und wenn die Leute Ihnen nicht folgen wollen, wenn alles vorbei ist?“

„Folgen? Individuen folgen doch nicht. Und wenn ein paar draufgehen… nun…“ er verstummt. „Ist auch gut… immerhin ist es ja so:“ sein grelles Lachen wirkt wie ein Schock in diesem meditativen Rauschen der Nacht: „Tote, nun ja, Tote spielen keinen Techno.“

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Über lykasscriptorium

getriebener Autor, der Rohtexte veröffentlicht, zumindest in diesem Blog. Bedenke dies, wenn du meine Sachen liest: Sie sind frisch aus dem Kopf auf virtuellem Papier gelandet, ohne großartige Nachbearbeitung. Achja, eine kleine Erweiterung an eben jenem Abend des 01.05.2011 This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA. und nun... weitertanzen

Veröffentlicht am 28/02/2011 in Black Metal Cowboy und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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