Allein im Weltraum

Dunkelheit

Überall nur Dunkelheit

Und Stille

Dumpfe Stille, nicht mehr als der Hauch der Atome, die sich in der Dunkelheit vor mir verbergen. Ich. Ich kann denken. Also lebe ich. Kann ich auch fühlen?

Ohne Relation vergeht keine Zeit. Ohne Photonen kein Licht.

Langsam flackert die Realität auf und düsterdunkles Rotlicht surrt inbrünstig durch die Weiten. Ich starre aus dem Fenster, erkenne die unendliche Leere da draußen.

Kein Antrieb, der so leise arbeiten könnte. Kein Gefühl für Bewegung und doch weiß ich, das, worin ich mich befinde, zieht seine Bahnen durch den Weltraum. Der Weltraum. Einzelne Punkte streuen Lichtfetzen durch meine kleine Welt.

Sie schweigen. Ich bin nicht allein, doch die einzige Person, die nicht schläft. Blaues Rauschen umspielt die Gesichter der Schläfer, die im Halbkreis um einen unsichtbar wirkenden Ball gelegt worden sind. In ihren Kammern überwintern sie die fühlbare Unendlichkeit.

Das Donnern eines galaktischen Blitzschlags raste durch die Milchstraße, brannte sich durch Planetensysteme, machte keinen Unterschied zwischen lebendigen und toten Welten. Und nun sitzen wir wenigen, 13 Menschen, ich als einzige Person wach, in dieser Nussschale, treiben im einem scheinbaren Meer aus Quanten.

Sie nannten uns Spinner, diese Idioten, nannten die Gruppe eine Sekte, Verschwörer, Trottel, Freaks. Wir haben es ihnen gezeigt. Waren auf dem Berg, draußen in der Wildnis, als das Schiff uns herausriss, heraus aus dem brodelnden Inferno unserer apokalyptischen Heimatwelt.

Aus irgendeinem Grund bin ich erwacht und starre nun auf die Gesichter meiner Freunde. Doch was ist das? Grau und fahl erscheinen sie mir, die sie doch noch vor Stunden atmeten und lachten. Vorsichtig tippe ich einer Person ins Gesicht. Mit frostigem Knistern bricht mein Finger durch die Haut wie durch eine poröse Schale. Flüsternd fällt das Bild vor meinem Auge zusammen, hinterlässt einen grinsenden Schädel. Was ist passiert? Kalter Schweiß bricht aus. Ich wische ihn ab. Ich zittere. Ich gehe einige Schritte zurück. Ist der Raum kleiner geworden?

Tot. Sie sind tot. Was ist passiert? Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, ich weiß es doch nicht. Fragen: Wie lang sind wir unterwegs? Wo ist das Ende dieser Reise. Das hat man nicht gesagt. Meine Stimme dringt laut durch die erzwungene Stille.

Dumpfes Hämmern, begleitet von grellen Blitzen, bricht plötzlich herein. Erneut, erneut, vertikale Streifen bilden einen Kontrast zu all der wahnsinnigen Leere und Finsternis. Dann ein Hieb. Eine Gestalt schiebt ihren Schatten durch die Öffnung, bewegt ihre Gliedmaßen in grotesker Arm und Weise und dann, dann

<Klick>

„Verdammt, hab ich dir nicht verboten, auf dem Dachboden Weltraum zu spielen? Und nun komm endlich runter, es gibt Abendbrot. Wie siehst du nur wieder aus.“

Schweigen umhüllt die einsetzende Menge an Emotionen, die ich erdulde und wie ein Sklave der Menschenjäger von Epsilon Gamma 9 finde ich mich mit meinem Schicksal ab und trotte hinaus in die feindliche Welt.

Hoffentlich gibt es Schaschlik.

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Über lykasscriptorium

getriebener Autor, der Rohtexte veröffentlicht, zumindest in diesem Blog. Bedenke dies, wenn du meine Sachen liest: Sie sind frisch aus dem Kopf auf virtuellem Papier gelandet, ohne großartige Nachbearbeitung. Achja, eine kleine Erweiterung an eben jenem Abend des 01.05.2011 This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA. und nun... weitertanzen

Veröffentlicht am 01/04/2011 in Frisches, Midnight-Stories und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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