Hasen im Wunderwunderwunderspaßland

Das ausgestreckte Bein seine Cousins, des Osterhasen, erwischte das weiße Kaninchen direkt am Knöchel und mit lautem Schrei schlug es mit der Nase voran direkt in den Straßenstaub.

Wie von Zauberhand tauchte aus der anderen Richtung sein Cousin, der Osterhase aus dem nichts aus und half ihm auf. Das Weiße Kaninchen fluchte. Sein schönes weißes Fell war Gelb vom Sand und auch seine Nase schien zu bluten, wenn es versuchte, es mit einem papiernen Taschentuch abzuwischen. „Verdammt“, dachte es, als es beim Schauen bemerkte, dass es den Erlass der Herzkönigin mit seinem unwürdigen Blut beschmutzt hatte. Humpelnd machte es sich auf den Weg. „Ich komm zu spät“. Der Osterhase schaute ihm hinterher. In seiner Hand hielt er, glitzernd wie Gold, die Uhr seines Cousins.

Ein Schrei aus der Ferne. Das Kaninchen hatte also den Tausch bemerkt. Magie half nichts, wenn der Verstand nicht Ordnung war. Der Osterhase machte, dass er wegkam. Vor dem Schatten des Zauberwaldes verblasste sein magisches Ebenbild.

Der dunkle Wächter grinste in seinem rostverzierten Holzstück, das man unter Umständen eine Rüstung genannt hätte, wäre, ja, wäre es nicht nur ein Haufen Holz gewesen, das einigen magischen Spezies zwar als undurchdringlich schien, aber einer handelsüblichen Axt nichts entgegenzusetzen hatte.

Er grinste sein zahnloses Grinsen über das ganze Gesicht, als er den Osterhasen an sich vorbeihüpfen sah, schneller als einer der Wirbelwinde, die einige Menschen aus ihrem Innersten heraus beschwören würden können,

wenn der Tag reif war. Er dachte bei sich „So schnell möchte ich auch einmal hüpfen.“ Doch sein Vater hatte es ihm, Jahr und Tag tatsächlich vor vielen Jahrzehnten einmal verboten. „Hüpfen tun nur Hasen. Sonst keiner. Ende

im Gelände.“ Er hatte dabei das Hackebeil gehoben und der damals so kleine Wächter hatte sich in seinem hölzernen Astwerk versteckt, aus Angst, dass die metallene Spitze des Objektes die Rinde seines Unterschlupfs massakrieren könnte.

Die Königin schüttelte den Kopf, als das Kaninchen seine Geschichte vortrug. Sie schüttelte nicht den eigenen Kopf, denn dieser lag noch daheim im Schlafzimmer und war die Stütze für eine der Dutzend Perücken. Sie schüttelte, eben stattdessen, ein Symbol, einen Puppenkopf, dessen Augen sprichwörtlich hin und herschaukelten.

„Du solltest deine Familie im Auge behalten.“ sagte sie zischend, denn der Puppenkopf hatte keinen wirklichen Mund und so musste eine Art Riss als Sprechorgan dienen. Ein Riss, der tief ins Innere des Kopfes lief, bis in die Leere, die das Universum für diese Art Existenz erschaffen hatte.

„Ich weiß, My Lady.“ Das Kaninchen schluchzte, als die Königin eine Klappe am Thron öffnete und eine, goldglänzende, neue Taschenuhr herauszog. „Er ist dein Vetter“, bedachte der Weihnachtsmann die Situation lautstark, während er tief in seine Jackentasche griff und eine ziemlich zerschrammte Taschenuhr berührte, die ihm der Osterhase tatsächlich zu Ostern geschenkt hatte. Oder so in etwa…

„Ich weiß es!“ brüllte das Kaninchen. „Und du bist sein Dealer!“ sagte es, himbeerfarbene Tränen kullerten aus seinen winzigen Augen. Der Weihnachtsmann schüttelte den Kopf. „Ich doch nicht. Wir sind Todfeinde, musst du wissen, mein kleiner gefiederter Freund.“

„Schnauze, sonst lass ich euch alle köpfen!“ Die Königin war aufgesprungen und schlug dem Weihnachtsmann direkt auf die Nase. „Ihr widert mich an!“ Sie zeigte auf das Kaninchen. „Dein Vetter braucht eine Therapie!“

Die Türen schlossen sich hinter dem Kaninchen. Es war allein. „Mein armer armer Vetter“, flüsterte es leise. „Ich weiß, dass du süchtig nach Lametta bist. Und wieder werde ich in ein paar Tagen, während deine Dosis Glitzerkram nachlässt, zufällig den Weg entlanglaufen und kriege wieder ein paar aufs Maul. Aber keine Sorge…“ Es dachte an den Weihnachtsmann und daran, wie dieser morgen früh sein Lieblingsrentier vermissen würde… Who the f… ist Rudolph.

Das Kaninchen lächelte bitter und machte sich auf den Weg und die Luft roch stark nach Ananas und Rotwein und alles war wundervoll im Wunderwunderwunderspaßland.

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Über lykasscriptorium

getriebener Autor, der Rohtexte veröffentlicht, zumindest in diesem Blog. Bedenke dies, wenn du meine Sachen liest: Sie sind frisch aus dem Kopf auf virtuellem Papier gelandet, ohne großartige Nachbearbeitung. Achja, eine kleine Erweiterung an eben jenem Abend des 01.05.2011 This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA. und nun... weitertanzen

Veröffentlicht am 04/05/2011 in Frisches und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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