Die Verbindung der Welt

und da stand er, gleich einer Antenne aus Staub und Stahl in mitten von gigantisch anmutenden Maulwurfhügeln und betrachtete gleich einer Ameise das Universum über ihm, so groß, so unendlich, so brennend kalt, dass es ihm in den Adern gefror. Er stand hier, inmitten der Welt, auf dem Gipfel seines Berges und lachte und dachte daran, wie er vor vielen Jahren seinen ersten Film gedreht hatte, ein kleines Super8-Meisterwerk namens: „Die tanzende Mandarine“ und an den Nachfolger „Der tanzende Zaun“ und wie er sich inmitten der Antarktis, der schwarzen Antarktis die lachenden Masken der Pinguine angeschaut hatte.

Ein kurzer Augenblick von Traurigkeit übermannte ihn, nun, da er das Ziel erreicht hatte. Er hatte sich nie aufhalten lassen, von der Akademie, von seinen Lehrern, von seinen abgefallenen Jüngern einer längst vergessen Kunst von Stummfilmen in Ultraviolett und von seinen Gönnern, die nach und nach dem Mainstream verfallen waren, dem dumpfen Folgen eines Drehbuchs, dem malerischen Bildkompositionswerk längst verstorbener Pinzettenfreaks und dem Hauch von spielerischer Unvernunft. „Der tanzende Schabernack“ lief nur noch nachts, wenn die Leute schliefen, als Bildschirmschoner in Untergrundkinos und die „Trilogie aus 25 Teilen“ namens „Hastoratium XUY“ war nicht einmal wirklich auf Video gelaufen, da waren die Bänder schon verglüht; unter dem erstarrten Gesicht eines dieser Produzenten-Geschöpfe tanzten tabakstinkende Flocken ihren ewigen Reigen.

Er heiratete seine Kamera-Frau, ein Geschöpft, nicht von dieser Welt. Er lief ausdauernd durch die Wellen des kaspischen Meeres, um eine Meerjungfrau zu fangen, die er im Augenwinkel erblickt hatte, er deutete Sandkastenformen als Zeichen längst vergangener Zukünfte, um Geld zu verdienen. Doch nun hatte er es geschafft, dank einem Blitzschlag aus der Steckdose, während er versucht hatte, die Aufnahme seiner Kamerafrau rückwärts laufen zu lassen, denn nun konnte er etwas erkennen, das alles übertrumpfte, was jemals in seinem Leben unvermittelbar war: Er konnte senden. Und als das Rauschen der Fernseher in seinen Nachbarwohnungen immer lauter wurde und die Schreie der Menschen überdeckte, war nur noch eine Zukunft wichtig: Er war der Sender einer neuen Sichtweise, seiner Sichtweise, die Evolution hatte gesprochen und siehe da er öffnet die Augen und aus dem Nichts sah er die Welt selbst aus seinen eigenen Augen entstehen und er tanzte seine Existenz in den Kosmos hinaus.

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Über lykasscriptorium

getriebener Autor, der Rohtexte veröffentlicht, zumindest in diesem Blog. Bedenke dies, wenn du meine Sachen liest: Sie sind frisch aus dem Kopf auf virtuellem Papier gelandet, ohne großartige Nachbearbeitung. Achja, eine kleine Erweiterung an eben jenem Abend des 01.05.2011 This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to Creative Commons, 444 Castro Street, Suite 900, Mountain View, California, 94041, USA. und nun... weitertanzen

Veröffentlicht am 03/07/2011, in Fingerübung, Midnight-Stories. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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